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Batı Trakya

Ist in West-Thrakien der Beginn eines neuen Zeitabschnitts möglich?

22.01.2018
Liebe Leser,

schon wieder ist ein Jahr mit seinen Höhen und Tiefen verstrichen. Ein neues Jahr bedeutet ein Neuanfang, neue Hoffnungen. Sowohl als Individuen, als auch als Gemeinschaft sind wir im neuen Jahr voller neuer Hoffnungen und Erwartungen.

Gleichgültig, wie hoffnungslos die Umstände bei näherer Betrachtung der wirtschaftlichen Krise in unserem Land zu sein scheinen, müssen wir in jedem Fall an unserer Hoffnung festhalten. Es ist von großer Bedeutung, dass wir sowohl als Individuen, als auch als Gemeinschaft an unseren Hoffnungen bezüglich der Zukunft festhalten.

Während wir aber an unseren Hoffnungen festhalten, dürfen wir Fakten nicht ignorieren, denn sonst würden wir uns in eine Traumwelt begeben. Es wäre gesünder, unsere genaue Position im Lichte von Tatsachen zu bestimmen, um unsere Hoffnungen und Erwartungen im Hinblick auf die Zukunft auszumachen.

Nach dem Besuch des Präsidenten unseres Mutterlandes Recep Tayyip Erdogan im Dezember gab es von Seiten der Regierungsmitglieder unseres Landes und einigen Medien Erklärungen zum Thema West-Thrakien Türken und dem Vertrag von Lausanne.

Im Anschluss an den Besuch Erdogans betitelte der Premierminister unseres Landes Alexis Tsipras die West-Thrakien Türken mit „muslimische Bürger Griechenlands“ und sagte in Bezug auf die Mufti-Thematik, dass gemeinsam mit den West-Thrakien Türken eine langfristige gesetzliche Regelung ausgearbeitet wird.

Direkt im Anschluss dazu wies Bildungsminister Kostas Gavroglu darauf hin, dass die West-Thrakien Türken in der Vergangenheit Druck und nicht akzeptablen Gesetzen ausgeliefert waren, fügte hinzu, dass sie in Zukunft eine auf uns gerichtete, respektvollere Politik betreiben wollen, und dass sie mit Traditionen der Minderheit von nun an respektvoller umgehen werden.

Andererseits wurde über die Forderung der West-Thrakien Türken, zweisprachige Kindergärten einzurichten, erneut hinweggesehen, und man gab stattdessen die Namen der sechs staatlichen Kindergärten in den Dörfern der West-Thrakien Türken bekannt, wo das Pilotprojekt ins Leben gerufen wird. In Rahmen dieses Pilotprojeks wird in sechs staatlichen Kindergärten jeweils ein Minderheitenmitglied, das sowohl des Türkischen, als auch des Griechischen mächtig ist, zusammen mit einem griechischen Lehrer arbeiten.

Einerseits sagt die Regierung zur Mufti-Thematik, dass sie zusammen mit den West-Thrakien Türken gemeinsam eine gesetzliche Regelung ausarbeiten wird, und andererseits ignoriert die gleiche Regierung aber unsere Forderungen bezüglich der Kindergarten-Thematik und besteht auf die Umsetzung des Pilotprojekts im Rahmen des staatlichen Schulsystems.

Unter diesen Umständen müssen wir zum einen weiterhin hoffnungsvoll in die Zukunft sehen, um unser Dasein als Gemeinschaft fortführen zu können und dürfen zum anderen unser Schicksal nicht in die Hände anderer übergeben! Denn es ist sehr wahrscheinlich, wie bereits in der Vergangenheit bei vielen Ereignissen beobachtet, dass die Regierung eine gleichgültige Haltung an den Tag legen wird!

Wir sollten in diesem Punkt den an uns gerichteten Ratschlag des Präsidenten unseres Mutterlandes in seiner in West-Thrakien gehaltenen Rede nicht vergessen: „Lese, denke nach, praktiziere, vollende“.

Als Bürger dieses Landes sollten wir bei Themen zu unseren Belangen ein Recht zur Wortführung haben! Als Personen und Organisationen, die in der türkischen Gemeinschaft in West-Thrakien Führungs- und Repräsentationspositionen bekleiden, müssen wir selbstbewusst sein, bei allen uns betreffenden Themen wachsamer sein und nach abwägen des Für und Wider aktiv werden!

Der Präsident unseres Mutterlandes hat in seinem Gespräch mit dem Präsidenten und dem Premierminister unseres Landes vor dem ganzen Volk für uns Position bezogen. Nun sind wir selbst dran! Wir müssen die Regierung mit lauter Stimme spüren lassen, dass sie in Themen, die uns angehen, nicht im Alleingang entscheiden kann, und sie mit konkreten Forderungen und Vorschlägen dazu zwingen, Anführer der türkischen Gemeinschaft in West-Thrakien als Gesprächspartner zu betrachten.

Seit Jahren wird uns unsere Bildungs- und Religionsautonomie nicht zurückgegeben!

Seit Jahren sind wir die „Anderen“ und werden in einer Kategorie des Bürgers zweiter Klasse Diskriminierungen ausgesetzt.

Seit Jahren führen wir unsere Probleme auf, man kümmert sich aber nicht um uns.

Seit Jahren arbeiten wir hart für unsere Zukunft, aber beobachten, dass für uns keine Hoffnung und Wohlstand verheißende Zukunft kreiert wird.

Wird es eurer Meinung nach nicht Zeit für einen Wechsel? Als Einheit sollte agiert werden: „Wir sind hier, für uns könnt ihr nicht trotz uns entscheiden“, sollte gesagt werden können. Und noch wichtiger wäre es, wenn wir es alle gemeinsam tun könnten.

Für all das oben Aufgezählte haben wir die Kraft in uns, gemeinsam können wir es schaffen!

Mit freundlichen Grüßen


Halit Habip Oğlu
ABTTF-Präsident
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