Die Föderation der West-Thrakien Türken in Europa (ABTTF) nahm vom 01.-03. Dezember 2025 in Budapest, der Hauptstadt Ungarns, am dritten thematischen Treffen des Projekts „Frauen aus Minderheiten“ der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) teil, deren Vollmitglied sie ist.
Melek Kırmacı, Direktorin für Internationale Angelegenheiten der ABTTF, nahm am Treffen mit dem Titel „Gleichberechtigte Teilhabe am politischen Engagement und Vertretung von Minderheiten“, das von der FUEN-Mitgliedsorganisation Landsesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) ausgerichtet wurde, und Expertinnen und Experten, Aktivistinnen und Aktivisten, Politikerinnen und Politiker sowie Vertreterinnen und Vertreter der Minderheiten aus verschiedenen europäischen Ländern zusammenbrachte.
Das Treffen startete mit der Begrüßungsrede der FUEN-Generalsekretärin Eva Edel Penzes. Anschließend hielt Prof. Dr. Tove Malloy, Mitglied des Beratenden Ausschusses des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten (FCNM) des Europarats als Hauptrednerin einen einführenden Vortrag zum Thema des Treffens.
Unter der Moderation von Dr. Zora Popova, Koordinatorin des FUEN-Projekts „Frauen aus Minderheiten“, diskutierten die Teilnehmer*Innen zwei Tage lang darüber, wie Frauen aus Minderheiten mehr Sichtbarkeit, Einfluss und Handlungsspielraum im politischen und öffentlichen Leben erlangen können.
Bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Teilhabe und Vertretung von Frauen aus Minderheiten – Länderberichte zu Hindernissen und positiven Beispielen“ ergriff die ABTTF das Wort und wies darauf hin, dass die ethnisch türkische Identität der türkischen Volksgruppe in West-Thrakien in Griechenland vom Staat geleugnet wird, und fügte hinzu, dass der 2001 von den in der Präfektur Rodopi lebenden türkischen Frauen gegründete Kulturverein aufgrund des Wortes „türkisch“ in seinem Namen von den nationalen Gerichten nicht registriert wurde. Die ABTTF merkte an, dass der betreffende Verein 2008 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) obsiegte, und kritisierte, dass Griechenland die Urteile des EGMR in der Fallgruppe Bekir-Ousta und anderen, zu der auch dieser Frauenverein gehört, seit über 17 Jahren immer noch nicht vollstreckt hat.
Die ABTTF erklärte, dass der 2010 von den in der Präfektur Xanthi lebenden türkischen Frauen gegründete Kulturverein aus demselben Grund ebenfalls nicht von den nationalen Gerichten registriert wurde, und fügte hinzu, dass sich dieser Verein auch an den EGMR wendete, der im Juni 2025 einstimmig urteilte, dass Griechenland erneut die Vereinigungsfreiheit verletzt hatte.
Die ABTTF führte aus, dass die Angehörigen der türkischen Volksgruppe aufgrund derer systematischen und strukturellen Diskriminierung in Griechenland leider nur sehr eingeschränkt am politischen Leben teilhaben können, und erklärte, dass es derzeit in Griechenland weder ein Gesetz noch eine Richtlinie gibt, die die politische Teilhabe der türkischen Volksgruppe fördert.
Die ABTTF betonte, dass Hassreden in der Politik und den Medien in Griechenland Teil systematischer und struktureller Diskriminierung der türkischen Volksgruppe ist, und merkte an, dass die Partei für Freundschaft, Gleichheit und Frieden (FEP-Partei) nach ihren Siegen in den Präfekturen Rodopi und Xanthi bei den Europawahlen 2019 und 2024 in den griechischen Medien explizit zur Zielscheibe gemacht wurde.
Die ABTTF empfahl, dass die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung der Region West-Thrakien sichergestellt werden soll, um die Teilhabe der dort lebenden türkischen Frauen am öffentlichen und politischen Leben zu stärken, und dass die Frauen ermutigt werden sollen, Führungspositionen in zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Politik zu übernehmen.