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Batı Trakya

Thilo Sarrazin: Die muslimischen Migranten integrieren sich nicht

30.08.2010
Am Sonntag, den 30. August 2010 ist das Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, erschienen.

Sarrazin kritisiert die europäische Einwanderungspolitik und schreibt, dass in jeder historischen Epoche unkontrollierte Zuwanderung staatliche Strukturen gefährdet habe und im Stande war, gesellschaftliche Stabilität zu zerstören. Außer Deutschland erleben seiner Meinung nach auch England, Frankreich, die Niederland, Belgien oder Norwegen entsprechende Probleme mit Muslimen, da diese dazu neigten, Parallelgesellschaften zu bilden. In seinem Buch behauptet er, unter den Muslimen steige die Zahl derjenigen, die straffällig werden und derer, die an Terrorakten beteiligt seien. Es sei falsch, wenn als Grund für zunehmende Besorgnis darüber, dass die muslimische Minderheit in Europa zunehme, Ausländerfeindlichkeit genannt werde.

Proteste gegen Sarrazin nehmen zu

Die Kritik aus den Reihen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), deren Mitglied Sarrazin ist, sowie aus deutschen zivilgesellschaftlichen Verbänden, Migranten-Organisationen und politischen Parteien nimmt zu: Die Abberufung Sarrazins wird gefordert. Auf die Äußerung Sarrazins, alle Juden hätten bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden, reagierte Außenminister Guido Westerwelle mit der Feststellung, dass Äußerungen, die zu Rassismus und Antisemitismus führten, in der politischen Debatte in Deutschland nichts zu suchen hätten. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, die Äußerungen Sarrazins seien polemisch und trügen nicht dazu bei, die Integration der Migranten in Deutschland voranzubringen. Um zu erkennen, dass es mit den jungen Migranten im Land eine Reihe von Schwierigkeiten gebe, sei man nicht auf Sarrazins Äußerungen angewiesen.

Auch der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Cem Özdemir kritisierte die Behauptungen, die Sarrazin in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ aufstellt. Die von ihm vertretenen Thesen seien simplifizierend. „Besorgniserregend finde ich weniger, was Sarrazin behauptet als vielmehr, dass ein großer Teil der deutschen Bevölkerung so denkt wie er,“ so Özdemir.

Die in Deutschland lebenden Türken fordern Sarrazins Entlassung

Die Föderation der Volksvereine türkischer Sozialdemokraten (HDF) erklärte, dieser für die SPD beschämende Zustand sei nicht ein Problem der Migranten unter den SPD-Mitgliedern, sondern ein Problem der Parteiführungsspitze. Die SPD müsse dieses Problem lösen. Der HDF-Bundesvorsitzende Ahmet İyidirli mahnte: „Wenn Sarrazin sagt, er wolle nicht, dass seine Enkel in einem Land leben, das mehrheitlich muslimisch sei, dann hetze er die Deutschen mit Ängsten gegen Nichtdeutsche auf.”

Der Vorsitzende der Föderation der West-Thrakien-Türken in Europa (ABTTF) Halit Habipoğlu gibt zu diesem Thema folgende Erklärung ab: „Die Diskussion, die mit der Veröffentlichung von Auszügen aus dem Buch des Bundesbank-Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin in der deutschen Presse begann, zeigt deutlich, welche Dimension die Integrationsdebatte in Deutschland inzwischen erreicht hat. Dass eine große Mehrheit der Gesellschaft wie Sarrazin denkt, obwohl dieser von einem Großteil der politischen Öffentlichkeit kritisiert wird, weist heute, da die inzwischen dritte Generation von Einwanderern in Deutschland geboren ist und aufwächst, auf wichtige Probleme hin. Es kann nicht sein, dass Sarrazin angesichts seiner volksverhetzenden Äußerungen weiterhin Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank bleibt. Er muss entlassen werden. Wichtiger ist jedoch, dass Deutschland lernt, mit seinen Migranten im Einklang zu leben. Die Probleme der Zuwanderung und der Integration können nicht dadurch gelöst werden, dass man die vorhandenen Schwierigkeiten ignoriert oder versucht, sie mit unseriösen provisorischen Lösungen auf die lange Bank zu schieben.“