ABTTF-Präsident: „In unserem Land genießen die griechisch-orthodoxe Kirche – die vorherrschende Religion – und die anerkannte jüdische Gemeinde religiöse Autonomie und als religiöse Gemeinden regeln sie ihre internen Angelegenheiten frei und ohne staatliche Einmischung. Alle staatlich anerkannten Religionen im Land verfügen über eine autonome Struktur, aber der Staat mischt sich nur in unsere ein. Die Ernennung unserer Muftis ist eine Usurpation unseres durch internationale Verträge garantierten Rechts durch den Staat.“
In einem auf der Nachrichtenseite NewsFire veröffentlichten Bericht über die Ernennung eines neuen Muftis für Didymoteicho durch Beschluss des Ministeriums für Bildung, religiöse Angelegenheiten und Sport Griechenlands wurde behauptet, dass diese Reform, die gemäß dem Gesetz 4964/2022 umgesetzt wurde, der jahrzehntelangen Methode der direkten Ernennung zugunsten eines modernen institutionellen Rahmens ein Ende setzt, der auf Transparenz, Meritokratie und Partizipation basiert.
Der Ministerpräsident Griechenlands, Kyriakos Mitsotakis wies in seiner wöchentlichen Ansprache auch auf die Ernennung des neuen Muftis für Didymoteicho und erklärte, dass der 2022 verabschiedete Rechtsrahmen für die Arbeitsweise der Mufti-Ämter nun erstmals in die Praxis umgesetzt wurde, und dieses Verfahren vollumfänglich mit der Verfassung, dem Vertrag von Lausanne und dem europäischen Recht vereinbar ist.
Der Vorsitzende des Beirats der türkischen Minderheit von West-Thrakien (BTTADK) und Mufti von Xanthi, Mustafa Trampa kritisierte hingegen auf einer Pressekonferenz am 26. Januar 2026, an der auch die BTTADK-MitgliederInnen teilnahmen, die Ernennung des neuen Muftis für Didymoteicho. Er sagte, dass die Bestimmung eines Muftis nicht als bloße administrative Ermessensfrage behandelt werden darf; vielmehr ist es das Recht der türkischen Volksgruppe in West-Thrakien, ihren eigenen religiösen Vertreter zu wählen – ein Recht, das ihr durch die internationalen Verträge gewährt wurde.
Trampa betonte, dass die türkische Volksgruppe vom griechischen Staat Dialog statt Konflikt und Konsultation statt Bevormundung erwartet, und merkte an, dass es sich hierbei nicht nur um eine religiöse Frage, sondern um ein klares Problem der Demokratie und Repräsentation handelt. Trampa ergänzte, dass sie West-Thrakien Türken die Reife und den Willen besitzen, ihr eigenes religiöses Oberhaupt zu wählen.
„Durch den Vertrag von Athen von 1913 wurde unserer Volksgruppe die religiöse Autonomie gewährt, die durch den Vertrag von Lausanne von 1923 garantiert wurde. Die Behauptung unseres Ministerpräsidenten Mitsotakis und der griechischen Mainstream-Medien, die Ernennung eines neuen Muftis für Didymoteicho sei mit dem Vertrag von Lausanne vereinbar, ist eine glatte Lüge. Diese Ernennung ist ein Verstoß gegen unsere religiöse Autonomie und eine völlige Missachtung des Willens unserer Volksgruppe. In unserem Land genießen die griechisch-orthodoxe Kirche – die vorherrschende Religion – und die anerkannte jüdische Gemeinde religiöse Autonomie und als religiöse Gemeinden regeln sie ihre internen Angelegenheiten frei und ohne staatliche Einmischung. Alle staatlich anerkannten Religionen im Land verfügen über eine autonome Struktur, aber der Staat mischt sich nur in unsere ein. Die Ernennung unserer Muftis ist eine Usurpation unseres durch internationale Verträge garantierten Rechts durch den Staat. Als die türkische Volksgruppe in West-Thrakien werden wir niemals zulassen, dass der Staat sein wahres Ziel erreicht, nämlich die vollständige Abschaffung unserer religiösen Autonomie“, sagte Halit Habip Oğlu, Präsident der Föderation der West-Thrakien Türken in Europa (ABTTF).
*Foto: www.anadoluimages.com