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Batı Trakya

Einziger EU-Mitgliedsstaat, der nationale Minderheiten nicht anerkennt: Griechenland

13.12.2023

Liebe Leserinnen und Leser,

ein weiteres Jahr neigt sich langsam dem Ende.

Nach einer Zeit der Unsicherheit und der Angst aufgrund der Pandemie geht das Leben wieder seinen normalen Gang.

Auch wir haben wieder einen vollen Terminkalender wie früher.

Was unsere jüngsten Aktivitäten betrifft, waren wir im letzten Oktober zu einem Arbeitsbesuch in Straßburg im Rahmen der ordentlichen Herbst-Plenarsitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.

In der ersten Novemberwoche waren wir in unserer Region West-Thrakien.

Für das Jahrestreffen der Arbeitsgemeinschaft türkischer Minderheiten/Volksgruppen (TAG) der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN), deren Sprecher ich bin, reisten unsere türkischen Schwester und Brüder aus unterschiedlichen Regionen vom Kaukasus bis zum Balkan in unsere Region. 

Während des zweitägigen Programms trafen sich unsere türkischen Schwester und Brüder mit den Vertretern unserer Volksgruppe in Komotini und Xanthi und hörten ihnen über die Probleme unsere Volksgruppe zu.

Gleich danach war ich in Athen.

Die Verhandlung zur Schadensersatzklage, die wir gegen die Nachrichten-Website newsbreak.gr eingereicht hatten, die im Jahr 2021 diffamierende und falsche Nachrichten über unsere Föderation veröffentlicht hatte, fand vor dem höheren Gericht statt. Unser Kampf vor Gericht geht weiter.

Ende November waren wir in Straßburg und nahmen an der Sitzung der Intergruppe für traditionelle Minderheiten, nationale Volksgruppen und Sprachen im Europäischen Parlament (EP) teil.

Unsere Föderation, die die West-Thrakien-Türken vertritt, und der Solidaritätsvereins der Türken auf Rhodos, Kos und Dodekanes-Inseln (ROISDER), der die auf Rhodos- und Kos lebenden Türken vertritt, präsentierten den Mitgliedern des Europäischen Parlaments die Themen bezüglich der Schulbildung in der Muttersprache und die Bildungsprobleme.

Und letzte Woche nahmen wir an der Sitzung des UN-Forums für Minderheitenfragen in Genf teil und brachten diesmal unsere Probleme auf der UN-Plattform zur Sprache.

Im ersten Teil der Sitzung im Europäischen Parlament in Straßburg erläuterte die Vertreterin der ladinischen Minderheit in Italien, wie die Ladiner, obwohl sie kurz vor der Assimilation standen, in Zusammenarbeit mit der deutschen Minderheit in der Region und mit Unterstützung der italienischen Regierung ihre Sprache und Identität bewahrten.

Der Vertreter der ladinischen Minderheit sagte, dass ihre Angehörigenzahl heute zwar nur noch 30.000 beträgt, diese aber im Vergleich zur Vergangenheit gestiegen ist, und fügte hinzu, dass dies eine Ausnahmesituation unter den Minderheitengruppen auf der Welt ist!

Darüber hinaus erhalten Ladiner in allen Schulen in verschiedenen Provinzen der Autonomen Region Südtirol Italiens, in denen sie leben, Unterricht in ladinischer Sprache.

Interessanter ist, dass in allen Schulen an Orten, an denen die Ladiner leben, nicht nur die Angehörigen der ladinischen Minderheit, sondern alle Einwohner*innen dieser Region die ladinische Sprache lernen.

Wunderbar!

Auf dem FUEN-Kongress im letzten September in Pécs, Ungarn, erfuhren wir, dass es in Ungarn, das im Zuge der großen Erweiterungsprozesses EU-Mitglied wurde, 13 offiziell anerkannte Minderheiten gibt, darunter die griechische Minderheit.

Die griechische Minderheit ist bevölkerungsmäßig die kleinste Minderheit in Ungarn. Laut Daten aus dem Jahr 2011 beträgt ihre Bevölkerungszahl nur 4.700.

Allerdings haben die Griechen eigene Kindergärten, Grundschulen und weiterführende Schulen sowie ein eigenes Kulturhaus, eine eigene Bibliothek, ein eigenes Kulturinstitut, ein eigenes Forschungsinstitut und ein eigenes Theater.

Wie die anderen offiziell anerkannten nationalen Minderheiten in Ungarn senden die Griechen alle vier Jahre ihren eigenen Sprecher in das ungarische Parlament.

Schauen wir uns andererseits Albanien an, das EU-Mitglied werden möchte.

Die in Albanien lebenden Griechen machen 1% der Bevölkerung Albaniens aus. Nach offiziellen Angaben aus dem Jahr 2011 beträgt ihre Bevölkerungszahl ca. 25.000.

Laut der jüngsten durch die Dachorganisation der griechischen Minderheit „Demokratische Union der griechischen Minderheit – OMONOIA“ durchgeführten Volkszählung beträgt die Bevölkerungszahl der Griechen 287.000.

Die griechische Minderheit, die die größte unter der neun Minderheiten im Land ist, ist vom Staat offiziell anerkannt.

Die Griechen erhalten in den Minderheitenregionen Unterricht auf griechischer und albanischer Sprache. Es gibt auch Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen und Gymnasien, in denen auf Griechisch unterrichtet wird.

Schauen wir uns die drei Länder an: eines davon ist Italien, ein altes EU-Mitglied. Das andere ist Ungarn, das 2004 EU-Mitglied wurde. Albanien ist ein Kandidatenland, das derzeit in Beitrittsverhandlungen mit der EU steht…

Die Rechte der Minderheiten sind in allen drei Ländern weitaus auf höherem Niveau als in Griechenland, das 1981 EU-Mitglied wurde und sich rühmt, die Wiege der Demokratie zu sein!

Warum akzeptiert unser Land also nicht die Existenz der türkischen Minderheit, die seit Jahrhunderten auf diesem Territorium lebt?

Leider ist Griechenland das einzige Land in der EU mit 27 Mitgliedstaaten, das weit davon entfernt ist, nationale Minderheiten anzuerkennen und vielmehr versucht, ihre Existenz zu verbergen, sie zu verleugnen und zu assimilieren!

Aber wir, die Türken, leben in diesem Land!

Es sind nicht nur die Türken!

Es gibt auch Mazedonier, Walachen, Cham-Albaner und Armenier in diesem Land!

Griechenland ist ein EU-Mitgliedsstaat, aber sehr weit von den Werten der EU entfernt!

Mit einer verwöhnten Haltung missachtet es weiterhin die Werte der EU und ist davon überzeugt, dass sein Platz in der EU-Familie nicht ins Wanken geraten wird.

Da dies der Fall ist, werden wir weiterhin das tun, was wir bis jetzt getan haben.

Wir werden auf internationaler Ebene weiterhin zur Sprache bringen, dass die Situation in Griechenland überhaupt nicht das ist, was unser Land darstellt.

Auch im Jahr 2024 werden wir weiterhin mit der gleichen Ausdauer, Entschlossenheit und Disziplin arbeiten!

Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen und wünsche Ihnen ein glückliches Neues Jahr und hoffe, dass 2024 Gesundheit, Glück und Frieden bringt.

Mit herzlichen Grüßen


Halit Habip Oğlu
ABTTF-Präsident
 

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