Liebe Leser,
ich gratuliere herzlich zum Jahrestag unseres Tages des Nationalen Widerstands und der Solidarität vom 29. Januar!
Wegen der Pandemie verlief der diesjährige Jahrestag dieses wichtigen Tages, der einen Wendepunkt in der Geschichte der türkischen Gemeinschaft in West-Thrakien darstellt, nicht so wie wir es gewohnt sind, denn wir konnten nicht zusammenkommen, um diesen Tag mit Begeisterung zu feiern.
Auch unser Beratender Ausschuss der Türkischen Minderheit in West-Thrakien organisierte dieses Jahr aufgrund der Covid-19-Maßnahmen eine Online-Gedenkfeier.
Wie in West-Thrakien konnten wir bei den Gedenkfeiern unserer Vereine in Deutschland nicht zusammenkommen.
Ich hoffe, dass wir im Jahr 2022 bei unseren Vereinen zusammenkommen und uns bei Veranstaltungen, durch die wir als in Deutschland lebende West-Thrakien Türken unsere Identität, Kultur und Traditionen aufrechterhalten, treffen können.
Wie Sie alle wissen, war es am 29. Januar 1988 die offizielle Auflösung unserer drei Vereine mit dem Wort „Türkisch“ in ihren Namen, mit der Behauptung, dass es „in West-Thrakien keine Türken gäbe“, das dazu führte, dass die West-Thrakien Türken auf die Straße gingen, um dagegen zu demonstrieren!
Dies brachte das Fass zum Überlaufen!
Wir wurden in diesem Land verleugnet, in dem wir seit Jahrhunderten leben!
Als Reaktion auf die Worte derjenigen, die sagten „Es gibt keine Türken!“, gingen wir mit Entschlossenheit auf die Straße und riefen „Wir sind Türken!“
In jenen Tagen begannen die Regierenden unseres Landes, unsere ethnische Identität zu verleugnen!
Können Sie sich vorstellen, dass Sie nachts als Türke die Augen schließen, und wenn Sie morgens in einen neuen Tag aufwachen, sie behaupten, Sie seien ein Muslim, kein Türke!
Von diesem Tag an begannen unser Staat, die Regierungen an der Macht und sogar die Leute in unseren Wohngegenden sowie unsere Nachbarn und Nachbarinnen, denen wir in unserem täglichen Leben in der Region begegnen und mit denen wir in Kontakt sind, uns nicht als „Türken“ zu bezeichnen!
So ist also die Staatsmacht!
Wenn der Staat den Tatsachen den Rücken kehren und sie ignorieren will, führt dies dann auch zu einer sozialen Transformation!
Seitdem sind 33 Jahre vergangen und unsere „türkische“ Identität wird immer noch verleugnet!
Obwohl das Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in den drei Fällen entschied, dass unser Land unsere Vereinigungsfreiheit verletzt hat, beharrt unser Land seit mehr als 12 Jahren darauf, die Urteile des Straßburger Gerichts nicht umzusetzen!
Unser erster Verein in der Region, die Türkische Union von Xanthi, der im Jahr 1986 wegen des Wortes „Türkisch“ in ihrem Namen und mit der Behauptung, dass seine Satzung gegen das Gesetz verstoße und er die öffentliche Ordnung und Moral störe, geschlossen wurde, führt seit 35 Jahren einen langen Kampf vor Gerichten!
Leichter gesagt als getan! 35 Jahre!
Bei den Treffen des Europarates, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und der Europäischen Union, bei denen wir den Kampf der Türkischen Union von Xanthi vor Gerichten auf internationaler Ebene zum Ausdruck bringen, behaupten die Vertreter unseres Landes, dass die Minderheit in der Region nicht „türkisch“, sondern „muslimisch sei!
Obwohl wir anhand von Dokumenten und Verweisen auf internationale Berichte ausdrücken, behauptet unser Land beharrlich, dass es in seinen Territorien „keine Türken“ gibt!
Obwohl es in unseren Schulen auf Türkisch unterrichtet wird, heißt der Lehrplan „Minderheitenprogramm“!
Während unsere LehrerInnen zweisprachig, also in türkischer und griechischer Sprache unterrichten, wird beharrlich gesagt, dass es in der Region keine „Türken“ gibt!
Sie selbst glauben an diese Lüge nicht, aber was könnten sie sonst machen?
Sie unternehmen weiterhin lächerliche Anstrengungen, obwohl die Wahrheit nicht verborgen werden kann!
Als ABTTF veröffentlichen wir Videos auf Griechisch, damit diejenigen, die unser Land repräsentieren, und Menschen aus der Mehrheit diese schauen, uns kennenlernen, sehen und verstehen, dass wir keine Bedrohung sind.
In diesen Videos stellen wir uns die West-Thrakien Türken und unsere Region vor, und erzählen, dass wir als Türken, die in dieser Region leben, vielen Problemen ausgesetzt sind!
Wenn wir die Kommentare über diese Videos lesen, sehen wir wieder dieselbe Rhetorik! „Es gibt keine Türken in Griechenland, ihr seid griechische Muslime!“
Sollen wir lachen oder weinen?
Mit diesen irrealen Kommentaren und mit dieser Lüge, die die Regierenden unseres Landes weiterverbreiten, erniedrigen sie tatsächlich dieses schöne Land! Ich frage mich, ob sie es überhaupt nicht merken!
Die Regierungen an der Macht haben sich geändert, aber alle diese Regierungen haben diese Lüge verbreitet und tun dies auch weiterhin.
Was für eine Schande!
Also, was sollen wir denn tun?
Genauso wie vor 33 Jahren werden wir auf die Straße gehen und nachdrücklich sagen:
„Wir sind Türken! Wir sind Türken! Wir sind Türken! Wir sind Türken! Wir sind Türken!“
Zu Hause, auf der Straße, in der Schule, bei der Arbeit, auf dem Markt und überall werden wir sagen: „Wir sind Türken!“
In jedem Aspekt unseres täglichen Lebens muss dies der Fall sein!
Niemals müde sein!
Niemals aufgeben!
Weil es die Wahrheit ist!
Gestern waren wir Türken und sind auch heute Türken!
Nochmals gratuliere ich zum Jahrestag unseres Tages des Nationalen Widerstands und der Solidarität vom 29. Januar!
Bleiben Sie gesund.
Halit Habip Oğlu
ABTTF Präsident